Wissenswertes rund um die Bierkultur

Bierdeckel

Freundschaft, die beim Bier gemacht, zerbricht nicht selten bei der Rechnung.

Manfred Schröder, deutsch-finnischer Dichter,Aphoristiker und Satiriker.

Der Bierdeckel (auch Bierteller) dient in der Regel als Unterlage für Biergläser und Bierkrüge. Runde Bierdeckel haben in Deutschland standardmäßig einen Durchmesser von 107 Millimeter, allerdings sind auch quadratische Bierdeckel verbreitet. Sie sind 1,2 mm bis 1,5 mm dick, wiegen zwischen 5 g und 10 g und sind meist aus Pappe.

Hauptzweck des Bierdeckels ist es, das Kondenswasser (welches sich durch die warme Umgebungsluft an der Außenseite des kalten Bierglases bildet und nach unten läuft) aufzusaugen, möglichst bevor (oder wenn) es vom Glas (wenn es zum Trinken angehoben und geneigt wird) tropft.

Im 19. Jahrhundert tranken die reicheren Leute das Bier aus Bierseideln mit Deckeln aus Zinn oder Silber. Einfachere Leute benutzten Krüge ohne Deckel. Als Untersetzer dienten
damals Filze, die so genannten Bierfilze. Trank man Bier im Freien, dann legte man diese Filze auf den Krug, damit kein Ungeziefer und kein Laub das Bier verunreinigte. Aus dieser
Funktion des Abdeckens stammt der Name Bierdeckel. Diese Bierfilze waren meist feucht und begünstigten die Vermehrung von Bakterien, sie waren also recht unhygienisch. Hinzu kam das Problem ihrer Wiederverwendung. Die feuchten Bierfilze wurden von der Bedienung beim Abräumen wieder eingesammelt und in Bierfilzständern, Einsätzen oder dachziegelartig aufgereiht luftgetrocknet.

1880 stanzte die Kartonagenfabrik und Druckerei Friedrich Horn in Buckau bei Magdeburg Bierglasuntersetzer aus Pappe und druckte verschiedene Motive auf. Schließlich erfand Robert Sputh aus Dresden 1892 den Vorläufer des heutigen Bierdeckels, die so genannten Holzfilzplatten oder Faserguß-Untersetzer,[1] bei denen der Papierbrei in runde Formen gefüllt und getrocknet wurde.1903 begann Casimir Otto Katz im damals großherzoglich-badischen Murgtal, die bis heute gebräuchlichen Bierdeckel aus heimischen Fichtenholz in Holzschliffpappe industriell herzustellen. Sie werden aus frischem Fichtenholz hergestellt. Dessen lange Fasern sind sehr saugfähig.
Im Jahre 2003 wurden pro Tag 10 Millionen Stück bzw. pro Jahr 1,4 Milliarden Stück hergestellt, was etwa 40 % des weltweiten Bedarfs darstellte. Die baden-württembergische
Katz Group liefert heute jährlich 3,5 Milliarden Bierdeckel in die ganze Welt und hält damit einen Weltmarktanteil von 75 %. Alleine 2 Milliarden Bierdeckel (über 50 % des Umsatzes)
werden in die USA geliefert, hier liegt der Marktanteil bei über 90 %.
Urkundencharakter
Vermerkt der Gastwirt auf einem Bierdeckel handschriftlich die Menge und Art der an den Gast ausgeschenkten Getränke und gelieferten Speisen, um diese Aufzeichnungen später
zur Grundlage seiner Abrechnung zu machen, stellt er damit eine Urkunde im Sinne des materiellen Strafrechts nach § 267 Abs. 1 StGB her.

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